04.08.2025
Frisch, flott und tadellos
Sänger- und Kaufmannsmuseum Finsterwalde zeigt ab dem 3. August Drogeriereklame der DDR
Frisch, flott und tadellos zurechtgemacht preisen strahlend lächelnde Frauen Sonnencreme, Puder oder Shampoo an: Fast vergessen ist heute, dass es auch in der DDR bis in die 1970er-Jahre Produktwerbung gab. Eine Ausstellung des Sänger- und Kaufmannsmuseums Finsterwalde stellt vom 3. August bis 16. November Werbeträger für DDR-Kosmetik und Haushaltschemie der späten 1940er bis in die 80er-Jahre vor und nimmt dabei die Rolle der Frau in den Fokus. Die Ausstellung ergänzt die dauerhafte Präsentation zu DDR-Drogeriewaren: Die ehemalige Finsterwalder Markt-Drogerie Schubert, deren Originalmöbel sich heute im Museum befinden, ist mit ihrer Fülle von DDR-Produkten ein Besucherliebling. Für die Ausstellung greift das Museum auf seine umfangreiche Sammlung zum Thema zurück. Zahlreiche der in der Ausstellung gezeigten Schilder, Plakate und Aufsteller konnten mithilfe einer großzügigen Unterstützung der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“ erworben werden.
Dass Werbung eine bewusste, zweckgerichtete Beeinflussung des Menschen sei, die der zielgerichteten Durchsetzung politischer, kultureller oder wirtschaftlicher Interessen dient, verkündete Meyers Neues Lexikon 1977. Während es im kapitalistischen Teil Deutschlands nur darum gehen konnte, Konsumenten betrügerisch zu manipulieren und den Profit zu maximieren, sah das in der DDR natürlich ganz anders aus. Hier sollte die Reklame die „zweckmäßige Warenauswahl erleichtern und zur Sicherung sozialistischer Verbrauchsgewohnheiten beitragen.“ Letztendlich sollte aber auch die DDR-Werbung, ganz besonders auch das 1960 eingeführte Werbefernsehen, neue Entwicklungen und Produkte vorstellen – ob sie nun verfügbar waren oder nicht. Bestes Beispiel war der Trabant, den die „Tausend Tele Tipps“ bewarben, auf den man aber viele Jahre warten musste. Gelernte DDR-Bürger wussten ohnehin Bescheid: Am Ende ging es auch oft darum, Ladenhüter oder plötzlich verfügbare Produkte loszuwerden.
Werbung und Reklame hatten es in der DDR schwer. Schon Anfang der 60er-Jahre kürzte der Staat die für Industrie und Handel eingerichteten Werbefonds. Werbung für Genussmittel oder Alkohol gab es nur eingeschränkt. Für Delikat- und Exquisit-Erzeugnisse oder Westimporte war sie prinzipiell untersagt. Ab 1975/76 unterband man Werbung im Inland dann fast völlig, und selbst die durchaus beliebten Werbespots des DDR-Fernsehens verschwanden. Bis Mitte der 1970er-Jahre spielte die Reklame für Drogerieartikel jeder Art in der DDR-Werbung jedoch eine herausragende Rolle. Unterschieden sich die Warenwelten in Ost und West in den 1960er-Jahren bereits völlig, gilt das nicht für die Werbung. Frauen waren hier wie da die dominierenden Werbebotschafter. Das galt ganz besonders für Kosmetik und die Haushaltschemie. Obwohl der Sozialismus offiziell ein neues Frauenbild propagierte, prägten die üblichen Klischees einen großen Teil der Annoncen für Shampoo, Creme oder Puder. Im Mittelpunkt stand die junge, oft blonde und fast immer lächelnde Frau, die auf ihre weiblichen Attribute reduziert wurde. Ein vermeintliches Idealbild, das von den mit Berufstätigkeit und Familie doppelt belasteten DDR-Frauen in den seltensten Fällen erreicht wurde. Anders sah es bei Produkten aus, die sich mit der Pflege oder mit der Sauberkeit im Heim beschäftigten. Hier erschien die treusorgende Mutter oder die für den Haushalt zuständige strenge Ehefrau.




