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01.09.2018

An die Opfer am „Ort mit doppelter Vergangenheit“ erinnert

Mahn- und Gedenktreffen der Initiativgruppe Lager Mühlberg/ Staatskanzleichef Martin Gorholt dankte Überlebenden der Lager in Mühlberg für das Wachhalten von Erinnerung
Rund 300 Menschen hatten am 1. September in Neuburxdorf an die Schicksale der Gefangenen in den Internierungslagern der NS-Zeit und des Sowjet-Geheimdienstes NKWD mit Gedenkveranstaltungen und einem Gottesdienst erinnert.

Rund 300 Menschen haben am 1. September in Neuburxdorf an die Schicksale der Gefangenen in den Internierungslagern der NS-Zeit und des Sowjet-Geheimdienstes NKWD mit Gedenkveranstaltungen und einem Gottesdienst erinnert. Zu Ehren der Opfer des nationalsozialistischen Kriegsgefangenenlagers Stalag IVB und des sowjetischen Speziallagers Nr. 1 in Mühlberg/Elbe wurden Kränze auf dem Soldatenfriedhof in Neuburxdorf und am Hochkreuz an der Gedenkstätte für die Verstorbenen des Speziallagers abgelegt. Unter den Gästen war auch Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, der als Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit Blumengebinden an die Leidensgeschichte der Inhaftierten erinnerte.
Die Gedenkrede am Hochkreuz hielt diesmal Brandenburgs Staatskanzleichef Martin Gorholt.

Beim 28. Mahn- und Gedenktreffen der Initiativgruppe Lager Mühlberg sagte Brandenburgs Staatskanzleichef Martin Gorholt: „Das Besondere hier ist, dass die doppelte Vergangenheit des Ortes bewusst wahrgenommen und aufgearbeitet wird. Hier wird der Blick auf die ganze Geschichte gelenkt, auf die vielen Schicksale der Opfer beider Lager.“

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (l.) legte zusammen mit dem Kreistagsabgeordneten Götz Heischmann (r.) einen Kranz am Hochkreuz an der Gedenkstätte für die Verstorbenen des Speziallagers Nr. 1 in Mühlberg/Elbe ab.

Im ehemaligen Stammlager Mühlberg wurden zwischen 1939 und dem Kriegsende vom nationalsozialistischen Terrorregime tausende Kriegsgefangene, unter anderen Polen, Dänen, Serben, Franzosen, Briten und Sowjetsoldaten interniert. Zusammengepfercht und jenseits jeder menschenwürdigen Behandlung hatten besonders letztere kaum eine Überlebenschance. Im September 1945 übernahm der sowjetische Geheimdienst NKWD den Ort des Grauens und gründete das Speziallager Nr. 1. Bis 1948 wurden über 21.000 Menschen ohne rechtsstaatliche Grundlage und ohne Urteil festgehalten. Etwa 7.000 starben. Erst seit 1990 ist es möglich, die Geschichte des Lagers zusammen mit den Einzelschicksalen zu ergründen.

Gedenkfeier am Soldatenfriedhof in Neuburxdorf.

Der Staatskanzleichef dankte den Organisatoren, deren sensibler Umgang mit der schwierigen Geschichte des Ortes ein gemeinsames Gedenken der beiden Opfergruppen möglich macht. Der Gedenkort in Neuburxdorf sei zugleich eine Stätte der Erinnerung und der historisch-politischen Bildung. Die Aktivitäten der Initiativgruppe und vieler engagierter Bürgerinnen und Bürger vor Ort trügen dazu bei, Geschichte für junge Menschen und zukünftige Generationen wachzuhalten. „Das Wichtigste ist, junge Menschen an das Geschehene zu erinnern, ihnen ein Gefühl für die Vergangenheit zu geben. Es kann keinen Schlussstrich geben. Wir müssen heute feststellen, wie schwer es ist dafür zu sorgen, dass Menschen Antworten auf ihre Sorgen und Ängste nicht in Fremdenfeindlichkeit oder Intoleranz suchen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern erfordert unermüdlichen Einsatz“, sagte Martin Gorholt.

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