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Fotocollage mit Karl V. an der Klosterprobstei im brennenden Mühlberg anno 1547

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21.11.2023

Im Gedenken an die Novemberpogrome des Jahres 1938

Kreisheimatkundetag beschäftigte sich mit den Auswirkungen der sogenannten „Reichskristallnacht“ auf jüdisches Leben in der Region Elbe-Elster
Die Referenten des 29. Kreisheimatkundetages v.l.n.r.: Rainer Bauer, Babette Weber, Thomas Irmer, Ulf Lehmann und Dr. Rainer Ernst.

Die Referenten des 29. Kreisheimatkundetages v.l.n.r.: Rainer Bauer, Babette Weber, Thomas Irmer, Ulf Lehmann und Dr. Rainer Ernst.
© Pressestelle Kreisverwaltung/Torsten Hoffgaard

Vor 85 Jahren, am 9. und 10. November 1938, fanden in vielen Städten Deutschlands Pogrome gegen jüdische Bürger statt. Diese Novemberpogrome, von den Nationalsozialisten verharmlosend Kristallnacht betitelt, markierten den Übergang von der Diskriminierung der Juden hin zu ihrer systematischen Unterdrückung, Vertreibung und letztendlich Vernichtung. Der 29. Kreisheimatkundetag des Landkreises Elbe-Elster erinnerte an dieses historische Ereignis. Am 18. November beschäftigte sich das traditionelle heimatkundliche Symposium im Technischen Denkmal Brikettfabrik Louise in Domsdorf mit den Auswirkungen der sogenannten „Reichskristallnacht“ auf jüdisches Leben in der Region Elbe-Elster.
Zum Auftakt der Veranstaltung sagte Landrat Christian Jaschinski: „Es ist heute mehr denn je unerlässlich, an die Gewalttaten des Novembers 1938 und ihre Folgen zu erinnern. In allem Für und Wider zum Krieg in Israel, bei aller Sehnsucht nach Frieden muss es eine Konstante geben: Antisemitischer Hass und menschenverachtende Hetze dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Der Satz ‚Nie wieder ist jetzt‘ darf keine Floskel bleiben. Wir müssen ihn mit Zivilcourage leben.“
„Die Sturmabteilung (SA) […] und die Truppen der Schutzstaffel (SS) marschierten zu den Häusern jüdischer Familien in Finsterwalde. […] Im Hause Galliner in der Forststraße 19 verwüstete die SS das ganze Haus. Riesige Löcher wurden in die Wände geschlagen, die Fenster zertrümmert, das Klavier aus dem Fenster geworfen, Stühle auf den Boden geschleudert. […] Überall lagen kaputte Möbel, Geschirr und Besteck herum. Auch der Keller wurde verwüstet. Ein Nachbar, der Zeuge der barbarischen Taten wurde, meldete die Situation der Polizei. Deren Antwort lautete: ‚Wenn Sie sich weiter einmischen, werden Sie das gleiche Schicksal erleiden‘.“ So beschreibt Jeanine Hack, Urenkelin der jüdischen Finsterwalder Kaufhausbesitzer Emil und Martha Galliner, in ihrem Buch „Epitaph of no words“, wie sich Finsterwalder gegen einst geachtete Bürger wandten und sie drangsalierten.
Für das Ehepaar Galliner begann in den Novembertagen 1938 eine Flucht, die sie rund um die Welt führte und sie bis an ihr Lebensende heimatlos machte. Auf Initiative des Museumsverbunds Elbe-Elster ist ihr Buch nun ins Deutsche übertragen worden. Verlegt von Hentrich & Hentrich Berlin/ Leipzig, erscheint es am 23. November im Buchhandel. Beim Kreisheimatkundetag am 18. November präsentierte die Autorin per Videoliveschalte im Gespräch mit der Leiterin des Museumsverbunds Elbe-Elster, Babette Weber, Leseproben aus dem Buch.
Im weiteren Verlauf des Heimatkundetags stellte Museumsleiter a.D., Dr. Rainer Ernst, Lebenswege Finsterwalder Juden im Nationalsozialismus vor. Er trägt seit den 1980er-Jahren mit unermüdlicher Grundlagenforschung dazu bei, die Schicksale regionaler Juden sichtbar zu machen. Der Herzberger Heimatforscher Ulf Lehmann vertrat seine Tochter Stine, die – da sie im Abiturstress steckt – nicht dabei sein konnte, und stellte ihre Schulhausarbeit zum Schicksal der Herzberger Kaufmannsfamilie Schlesinger vor. Thomas Irmer aus Berlin und Rainer Bauer aus Maasdorf beschäftigten sich mit zwei Aspekten des sogenannten verlorenen Transports, der 1945 in der Nähe von Tröbitz endete. Kurator Thomas Irmer stellte das Werden der Ausstellung „Wer ein Leben rettet“ vor. Die Schau beschäftigt sich vor allem mit dem Schicksal der rund 500 Kinder des verlorenen Zugs. Beschlossen wurde der Heimatkundetag von einem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung zum verlorenen Transport.
Der Kreisheimatkundetag ist eine gemeinsame Veranstaltung des Sachgebiets Kultur und Partnerschaften des Landkreises Elbe-Elster und des Museumsverbunds Elbe-Elster. Die jährlich stattfindenden Symposien setzen seit vielen Jahren Wegmarken bei der Beschäftigung mit den historischen Ereignissen in der Region.

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