03.02.2026
Oelsiger Madonna zieht ins Museum Schloss Doberlug
Bedeutendes und frühes Zeugnis der regionalen und überregionalen Kunstgeschichte ist eine Leihgabe der Evangelischen Kirchengemeinde Schlieben
Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde Schlieben, des Museumsverbundes Elbe-Elster sowie Landrat Christian Jaschinski freuen sich darüber, dass die Oelsiger Madonna im Museum Schloss Doberlug einen dauerhaften Platz gefunden hat un
© Pressestelle Kreisverwaltung/Tilo Wanka
Die Figur gehörte zur mittelalterlichen Ausstattung des Oelsiger Kirchenbaus und ist damit auch ein zentrales religiöses und kulturelles Zeugnis der Ortsgeschichte. Während der Restaurierung und des Umbaus der Oelsiger Kirche befand sich die Madonna mehrere Jahre in der katholischen Kirche in Schlieben. 2016 war sie in der großen Ausstellung „Karl IV. Ein Kaiser in Brandenburg“ im Brandenburg Museum in Potsdam zu sehen. Danach wurde sie als Leihe ins Museum Schloss Doberlug gegeben. „Hier ist dieses wertvolle Kulturgut einer breiten Öffentlichkeit zugänglich“, begründet Matthias Hensel für die Kirchengemeinde Oelsig den Entschluss. „Außerdem wird die Madonna für kommende Generationen bewahrt.“
Landrat Christian Jaschinski: „Unsere Museen sind fachlich und sicherheitstechnisch in der Lage, Objekte dieses Kalibers angemessen zu betreuen. Viel zu oft finden sich diese Zeugnisse unserer Geschichte in großen Museen, zu denen weite Wege zurückgelegt werden müssen, oder sie verschwinden in Museumsdepots. Dass die Oelsiger Madonna im Museum Schloss Doberlug gezeigt werden kann, ist ein wirklicher Gewinn und verweist auf die reiche Geschichte unseres Landkreises.“ Ähnliches gelang dem Museumverbund Elbe-Elster bereits mit dem Aquamanile von Boragk. Das seltene mittelalterliche Handwaschgerät wird seit 2022 im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum Bad Liebenwerda gezeigt (zurzeit in Restaurierung); vergleichbare Aquamanilien finden sich im Nationalmuseum in Kopenhagen oder im Metropolitan Museum in New York.
Hintergrund
Kaiser Karl IV. bestätigte dem Kloster Dobrilugk 1373 in einer Urkunde den Besitz von 42 Dörfern sowie mehrerer Ackerhöfe. Als König von Böhmen war Karl IV. auch Landesherr der Niederlausitz, zu der Dobrilugk gehörte. In diesen Kontext lässt sich die um 1370/80 entstandene Marienfigur einordnen, auch wenn eine direkte Verbindung zu Dobrilugk nicht nachweisbar ist. Sie ist ein frühes und seltenes Beispiel böhmisch inspirierter Kunst in Mitteldeutschland. Die bewegte Haltung und das kindlich-weiche Gesicht der Madonna verweisen deutlich auf die böhmischen Vorbilder. Sie hielt einst ein Zepter in der linken Hand; verloren sind zudem Teile der Krone und die Schuhspitzen. Auf ihrem rechten Arm sitzt das Christuskind, das mit seinem nackten Fuß spielt – ein Motiv, das die Menschwerdung Christi betont und zugleich auf sein zukünftiges Leiden verweist. Die innige Beziehung zwischen Mutter und Kind wird durch ihre aufeinander gerichteten Blicke verstärkt. Trotz der schlichten, beinahe dörflichen Ausführung beeindrucken die Qualität der Skulptur und die außergewöhnlich gut erhaltene ursprüngliche Farbfassung der Entstehungszeit.
Die Oelsiger Kirche wurde mit Mitteln aus dem LEADER-Förderprogramm umfassend restauriert und anschließend zur Fahrradpilgerkirche umgebaut. Sie gilt als gelungenes Beispiel dafür, wie Kirche neu gedacht und zeitgemäß genutzt werden kann.




