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08.05.2024

Kranzniederlegung im Gedenken an den „Verlorenen Transport“

Ehrung an der Kirche und auf dem jüdischen Friedhof in Tröbitz
Landrat Christian Jaschinski mahnte in seiner Rede, sich aktiv gegen jede Form von Antisemitismus einzusetzen.

Landrat Christian Jaschinski mahnte in seiner Rede, sich aktiv gegen jede Form von Antisemitismus einzusetzen.
© Pressestelle Kreisverwaltung/Tilo Wanka

Zur Erinnerung an den „Verlorenen Transport“ im Jahr 1945, fand am Montag, dem 6. Mai, in Tröbitz die diesjährige Gedenkfeier statt. Unter den Gästen waren unter anderem Landrat Christian Jaschinski, der Amtsdirektor des Amtes Elsterland, Andreas Dommaschk, Tröbitz‘ Bürgermeister Holger Gantke sowie die Gesandte der Botschaft des Staates Israel, Merav Horsandi. Auch Schüler der Evangelischen Grundschule Tröbitz waren anwesend, um an der Zeremonie teilzunehmen. Karla Fornoville, ehrenamtliche stellvertretende Bürgermeisterin von Tröbitz, übersetzte im Laufe der Veranstaltung die Worte Merav Horsandis.
Landrat Jaschinski, als erster Redner, begann mit einem Rückblick auf die Geschehnisse im April 1945. Damals rollten drei Züge mit jüdischen Häftlingen unter unmenschlichen Bedingungen aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen in Richtung Theresienstadt. Ein Transport erreichte das Ziel, der zweite wird von US-Truppen befreit. Der dritte Transport scheint verloren. In diesem „Verlorenen Transport“ befinden sich etwa 2500 Jüdinnen und Juden, darunter etwa 500 Kinder und Jugendliche. 14 Tage irrt der Zug in Richtung Osten, bis er am 23. April 1945 in der Nähe des Dorfes Tröbitz strandet und von Sowjetsoldaten endlich geöffnet wurde. Die Rote Armee bringt die Überlebenden in den Häusern der Einheimischen unter; eine Art Zusammenleben entsteht. Noch nach der Befreiung sterben mehr als 300 Juden sowie 26 Dorfbewohner an den Folgen der Haft oder durch Typhus. Der Landrat betonte des Weiteren eindringlich die Notwendigkeit, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und sich aktiv gegen jede Form von Antisemitismus einzusetzen.
Werner Mann, Ex-Bürgermeister der Gemeinde, würdigte in seiner Laudatio die Erinnerung an Mirjam Lapid-Andriesse, die als Zwölfjährige diesen Transport überlebte und die bis zu ihrem Tod im vergangenen November stets ihre Dankbarkeit gegenüber den Tröbitzern ausdrückte, die das Andenken an den Verlorenen Transport bewahrten.

Karla Fornoville (l.) und die Gesandte der Botschaft des Staates Israel, Merav Horsandi.

Karla Fornoville (l.) und die Gesandte der Botschaft des Staates Israel, Merav Horsandi.
© Pressestelle Kreisverwaltung/Tilo Wanka

Die Gesandte der israelischen Botschaft, Merav Horsandi, hielt, sichtlich erschüttert, eine bewegende Rede, in der sie die Leiden der jüdischen Häftlinge schilderte und die Rolle der Befreier sowie der Gemeinde Tröbitz als Engel für die Überlebenden betonte und abschließend Mirjam Lapid-Andriesse zitierte: „Die Russen waren unsere Befreier und die Menschen in Tröbitz waren unsere Engel. [...] Wir sahen, dass es anständige Menschen auf der Welt gab.“
Nachdem Schüler der vierten Klasse der evangelischen Grundschule Tröbitz Blumen an der Gedenkstätte an der Kirche niederlegten, folgte ein Besuch des jüdischen Friedhofs, wo die Teilnehmer weitere Kränze niederlegten, um der Toten des Verlorenen Transports zu gedenken.

08.05.2024 

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