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05.11.2021

Hohe Corona-Fallzahlen zwingen zur Priorisierung

Vollständige Fallermittlung/ Priorisierung bei Kontaktpersonennachverfolgung/ Fokus auf vulnerable Gruppen in Medizin und Pflege
coronavirus

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Erstmalig im Verlauf der Pandemie gerät das Gesundheitsamt an den Rand seiner Leistungsfähigkeit. Trotz zusätzlichem Personal, auch aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung, ist die aktuelle Lage ohne Prioritätensetzung nicht mehr beherrschbar. Auswirkungen hat dies auf die Kontaktpersonennachverfolgung, die nun im Rahmen der Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes und des Brandenburgischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz nur noch eingeschränkt stattfindet.

Aktuell werden dem Gesundheitsamt täglich über 100 neue Covid-19-Infektionen gemeldet. Bei dieser Vielzahl von Fällen ist neben der bereits aufwändigen Fall- bzw. Indexermittlung (positives Ergebnis bei einer Testung) eine zeitnahe Nachverfolgung aller Kontakte (in der Regel zwischen 5 und 20 zu prüfende und nachzuverfolgende Kontakte je Indexfall) nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass sich der Zeitraum zwischen der Probenentnahme beim Test und der Übermittlung der Ergebnisse durch die Labore an das Gesundheitsamt aufgrund der Fülle der zu untersuchenden Testproben auf mehrere Tage verlängert hat. Schon damit ist die für eine wirksame Eindämmung notwendige kurzfristige Kontaktpersonennachverfolgung oft nicht mehr möglich.
Das Infektionsgeschehen bewegt sich derzeit im Wesentlichen innerhalb der ungeimpften Bevölkerungsgruppe. Aktuell sind im besonderen Maße die noch nicht impfbaren Kinder sowie die Gruppe der Jugendlichen, von denen bislang auch nur ein geringerer Anteil geimpft ist, betroffen. Bei Kindern und Jugendlichen verlaufen die Coronainfektionen in aller Regel sehr mild, und das Risiko für schwere Verläufe ist sehr gering.
„Im Hinblick auf das grundsätzliche Risiko, dass Kinder und Jugendliche auch Infektionen innerhalb ihrer Familien weitertragen, wäre es sicher wünschenswert, die Infektionsketten zu unterbrechen. Eine konsequente Quarantäne aller möglichen Kontaktpersonen würde zur Folge haben, dass in viel größerem Maße, als dies bislang schon der Fall ist, Kita-Gruppen und Schulklassen, wenn nicht sogar ganze Kindertagesstätten und Schulen, geschlossen werden müssten. Dies hätte zur Folge, dass voraussichtlich über die gesamte Infektionssaison der Kita- und Schulbetrieb weitgehend zum Erliegen kommt. Dies wäre weder unter Bildungs- noch unter psychologischen Gesichtspunkten im Interesse der Kinder und Familien vertretbar“, begründet Gesundheitsdezernent Roland Neumann das Vorgehen.
Aus diesen Gründen, der tatsächlichen Undurchführbarkeit und im Interesse der Kinder, konzentriert das Gesundheitsamt unter Abwägung von Risiken und des Gesundheitsschutzes seine Kapazitäten auf die Indexermittlung aller Infektionsfälle und die Ermittlung der Kontakte im familiären, häuslichen bzw. persönlichen Umfeld. Daneben liegt der Schwerpunkt im Management von eintretenden Ausbruchsgeschehen im Sinne des Infektionsschutzgesetzes. Auch hier liegt die Priorität bei Einrichtungen für besonders vulnerablen Gruppen, wie zum Beispiel Pflegeeinrichtungen. Dabei bewegt sich das Gesundheitsamt im Rahmen der Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes und des Brandenburgischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz. Da die reine Zahl der Infektionen angesichts des fortgeschritten, wenn auch nicht ausreichenden, Impfschutzes in der vulnerablen Bevölkerung an Bedeutung verloren hat, wird eine Priorisierung der Kontaktpersonennachverfolgung ausdrücklich zugelassen. Dies wird bereits auch in anderen Regionen so gehandhabt.
Im Ergebnis dieser Priorisierung werden bei Infektionsfällen in Kitas oder Schulen nur noch die Indexfälle (Personen mit positivem Corona-Test) ermittelt und unter Quarantäne gesetzt. Kontaktpersonen unter den Kita-Kindern bzw. Schülern werden nicht mehr ermittelt. Daher erfolgen bis auf weiteres auch keine weiteren Quarantänen mehr. Eltern sind im Rahmen ihrer Eigenverantwortung aufgefordert, bei Krankheitssymptomen weiterer Kinder den Arzt aufzusuchen. Unbenommen bleibt die individuelle Möglichkeit von Testungen.
Dem Risiko, dass Kinder die Infektion in ihre Familien weitertragen, wird am besten begegnet, wenn die erwachsenen Familienangehörigen geimpft sind. Soweit ein Impfschutz besteht, verlaufen Infektionen in der Regel ohne schwere Komplikationen. Zudem sind, wie auch bei anderen Krankheiten (z. B. grippalen Infekten), grundlegende Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen zu beachten. In erster Linie gehört dazu, dass Kinder oder auch Erwachsene mit Krankheitssymptomen eben nicht in Kontakt zu anderen treten, im Zweifel den Arzt aufsuchen und ihre Erkrankung auskurieren.
Um das Risiko zu minimieren, dass etwaige Infektionen auf Menschen mit hohem Erkrankungsrisiko ausgebreitet werden, wird dringend empfohlen, dass sich sämtliche Familienangehörigen vor Kontakten mit z. B. Großeltern in hohem Alter oder mit Menschen mit Vorerkrankungen testen. Selbsttests sind derzeit problemlos im Handel zu beziehen.

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