Finsterwalder Schützenscheibe
Die Finsterwalder Schützengilde gehört neben der Kantorei der evangelischen Kirche zu den ältesten Vereinen der Stadt. Ursprünglich war sie eine Verbindung, mit deren Hilfe die Finsterwalder Bürger die Verteidigung ihrer Stadt selbst organisierten. Im 19. Jahrhundert hatte sich die Gilde, inzwischen ohne militärische Funktion, zu einen wichtigen gesellschaftlichen Element der kleinbürgerlichen Gesellschaft entwickelt. Weiterhin in Kompanien unterteilt, gab es verschiedene Ränge und Dienstgrade.
Ein Höhepunkt im jährlichen Festkalender der Finsterwalder bildete das Schützenfest am Pfingstwochenende. Auf dem am Schützenhaus gelegenen Schützenplatz ermittelten die Gildemitglieder bei einem mehrtägigen Preisschießen ihren Schützenkönig.
Die Finsterwalder Schützengilde wurde wie alle anderen in Deutschland nach den II. Weltkrieg durch die Alliierten verboten. Die Symbole und Zeichen der Schützen befanden sich danach in privater Hand und gingen in den folgenden Jahrzehnten vielfach verloren. Das erst 1981 eröffnete Finsterwalder Museum verfügt nur über wenige Stücke der Gilde.
Die zum Schützenfest 1937 genutzte Scheibe mit dem Rathaus, der ADCA-Bank links und dem besonders dicken Kirchturm diente wohl nicht einem Wertungsschießen.
Das Rathaus als Ziel der Schützen stellt den ursprünglichen Sinn der wehrhaften Gilden auf den Kopf. Gegründet, um die bürgerliche Unabhängigkeit mit ihren städtischen Rathäusern zu schützen, diente nun das Rathaus als Zielscheibe.
Die sich in den Einschusslöchern befindlichen Holzpropfen wurden erst nach dem Schießen zur besseren Kennzeichnung der Löcher gesetzt.
Bei dem genannten Schützenkönig Georg Thomsen handelt es sich um einen Eisenbahn-Obersekretär, der Anfang der 40er Jahre in der Lange Straße 3 über der Commerzbank AG (heute „Suppengrün“) wohnte.