Regionale Zusammenarbeit stärkte Bundeswehrstandort


Zum Neujahrsempfang traditionelles Dankeschön an ziviles Umfeld
 
Ministerpräsident Matthias Platzeck sieht die Entscheidung zum Erhalt des Bundeswehrstandortes Holzdorf/Schönewalde vor allem vor dem Hintergrund der sehr guten regionalen Zusammenarbeit in der Region. „Es ist erst einige Wochen her, dass für uns alle die erlösende Nachricht kam, dass der Standort im Zuge der Bundeswehrreform erhalten bleibt“, sagte Platzeck beim Neujahrsempfang des Standortes Holzdorf am 16. Januar 2012.
„Dies ist auch das Ergebnis einer hervorragenden, Ländergrenzen überschreitenden Zusammenarbeit von Regierungen, Städten und Gemeinden.“ Platzeck hob bei dem Empfang die Bedeutung des Standorterhalts für den Katastrophenschutz hervor. „Ohne ihre Fähigkeiten wären katastrophale Hochwasser, wie wir sie an Elbe und Oder erlebt haben, kaum zu bewältigen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ohne den tatkräftigen Einsatz der vielen Soldaten effektive Hilfe schnell und sicher zu den Betroffenen gebracht werden könnte und solche Katastrophenlagen in den Griff zu kriegen sind.“ Diese Hilfe habe viel dazu beigetragen, dass es ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Menschen im Land und ihrer Bundeswehr gebe. „Die Art und Weise, wie sich der Einsatzführungsbereich 3 in der Region verankert hat, ist ein Vorbild für andere.“ Platzeck betonte zugleich, die Bundeswehr biete einerseits wichtige Arbeitsplätze, zudem profitiere die strukturschwache Region von dieser Kaufkraft. Zahlreichen Arbeits- und auch Ausbildungsplätze seien mit den künftig 1.680 Dienstposten verknüpft. Auch seien seit 1990 am Standort über 200 Millionen Euro investiert worden, weitere Investitionen geplant. Oberst Michael Dederichs, Standortältester in Schönewalde/Holzdorf betonte: „Die kluge, vornehme sowie sachbezogene Unterstützung durch die Kommunen, besonders durch den Städtebund Elbe Elsteraue, durch die Landkreise und durch die Landesebene haben ganz wesentlich zum Erhalt des Standortes beigetragen.“
 

Oberst Dederichs bedankte sich beim Neujahrsempfang zudem beim Zivilpersonal, das neben den Streitkräften die Territoriale Wehrverwaltung, das Rüstungswesen, die Rechtspflege und die Militärseelsorge abdeckt. „Ohne unser Zivilpersonal wären die Streitkräfte weder funktions- noch einsatzfähig“. Insgesamt arbeiten hier ca. 450 zivile Mitarbeiter. Angefangen von angelernten Kräften bis hin zu Spezialisten und Akademikern reicht die berufliche Spannweite. Für den Standort Holzdorf war neben den Auslandseinsätzen die Strukturreform von Bedeutung. „Anfänglich fühlten wir uns hier in Schönewalde / Holzdorf davon nicht betroffen, denn am Standort liegen bekanntlich zwei einsatzwichtige Verbände der Luftwaffe“, so Dederichs. Für das HSG 64 und den EFB 3 waren für Bau- und Infrastrukturmaßnahmen enorme Summen investiert worden und beide Verbände verfügten über modernste Ausstattung bzw. sollten diese erhalten. Im Verlauf der Strukturdebatte wurde aber klar, dass Entscheidungen nicht unbedingt auf militärischer Logik basieren. Als am 26.10.2011 im Rahmen der Standortdiskussion entschieden wurde, dass Schönewalde/ Holzdorf Bestand haben wird, stellte sich große Erleichterung ein, aber kurz vor der finalen Standortentscheidung standen ganz dicke Fragezeichen. Dederichs: „Heute wissen wir zwar, dass wir nicht zu den Verlierern der Reform zählen, aber ob wir zu den Gewinnern zählen werden, wird erst die Zukunft zeigen“. Neben der Reduzierung der Standorte war der Abschied von der Wehrpflicht das Thema, das diese Strukturreform so besonders machte. Denn bei allen bisherigen Reformen, war dieses Thema tabu. Die Wehrpflicht wurde bis dato von fast allen tonangebenden Politikern und Militärs als unabdingbar und alternativlos bewertet. „Doch wenn es nun nicht gelingt junge Menschen von Sinnhaftigkeit, Ernsthaftigkeit, aber auch Attraktivität unseres Berufes zu überzeugen“, so Dederichs, „werden die Fähigkeiten der Streitkräfte zwangsläufig negativ beeinflusst“.

Was sollte einen jungen Menschen, der die Bundeswehr nur von außen kennt, dazu bewegen z.B. Militärkraftfahrer zu werden, wenn er im zivilen Bereich bei gleicher Tätigkeit ähnlich oder vielleicht sogar mehr verdient und zwar ohne die Risiken von Auslandseinsätzen eingehen zu müssen. Dies gilt im sinngemäß auch für andere Tätigkeiten, wie z.B. Mediziner oder Flugzeugführer, die der Bundeswehr schon heute in erheblichem Umfang fehlen. In der Vergangenheit habe man ein erhebliches Potenzial an Zeit- und Berufssoldaten aus den Wehrpflichtigen gewinnen können. Heute stellt sich die Nachwuchsgewinnung sehr kritisch dar. Aus manch berufenem Mund hört man als Gegenargument hierzu, bei Bedarf und Notwendigkeit könne man die Wehrpflicht ja wieder einführen. „Ganz so einfach“ schätzte der Oberst ein, „ wie es uns dieses mehr ideologische denn sachliche Argument glauben machen will, geht dies aber nicht. Denn bei einer unerwarteten abrupten Wiedereinführung der Wehrpflicht stünden weder erforderliche Infrastruktur, noch Material u. die Ausrüstung, noch Ausbildungseinrichtungen, noch Ausbildungspersonal auch nur annähernd hinreichend zur Verfügung.