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03.12.2018

Landrat zum 28. traditionellen Besuch bei Landwirten in Stolzenhain a.d. Röder

Dürreauswirkungen werden auch 2019 für die Landwirtschaft spürbar sein

Eine Investition der LAWI GmbH Stolzenhain wird sich aber rechnen. Die erst vor wenigen Tagen in Betrieb genommene Biogasanlage auf dem Betriebsgelände. Mit 75 KW versorgt sie die Betriebsgebäude mit Wärme und speist Energie in das Stromnetz.

Zu einem weiteren Besuch in landwirtschaftlichen Unternehmen lud die Kreistagsfraktion Landwirtschaft, Umwelt, Natur (LUN) am 30. November die Spitze der Landkreisverwaltung auf den Betriebshof der Landwirtschaftsunternehmen LAWI GmbH nach Stolzenhain a.d. Röder ein. Nach einer Vorstellung des vierteiligen Betriebes, gab es eine rege Diskussion zur aktuellen Situation der Landwirtschaft im Landkreis Elbe-Elster nach dem Extremjahr 2018. Dorsten Höhne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes „Noch so ein Jahr und die Landwirtschaft wird sich gravierend verändern. Ernteergebnisse, erzielte Verkaufserlöse und Betriebsbilanzen sind sehr ernüchternd“, resümierte er über das vergangene Jahr, das mit Stürmen begann, sich mit zwei Frostmonaten ohne Schnee fortsetzte, bevor eine monatelange Dürre kam. Der Fraktionsvorsitzende der LUN, Uve Gliemann, untermalte dies in Zahlen. Die Erträge für den Landkreis sind bei Getreide: 15 % weniger, bei Roggen 30 % weniger, bei Raps 32 % und bei Mais ganze 45 % weniger, um nur einige Beispiele zu nennen. Im Landkreisdurchschnitt, wusste auch Elke Höhne vom Sachgebiet Landwirtschaft, sind die Bereiche Herzberg und Bad Liebenwerda am meisten betroffen, doch der gesamte Süden Brandenburgs habe 2018 in der Pflanzenproduktion sehr schlechte Ernteergebnisse eingefahren. Zwei Programme sollen den Landwirten helfen und glücklicher Weise laufen die finanziellen Hilfen noch. Einmal für den Futtermittelzukauf, hier gab es 52 Antragsteller für Hilfeleistungen über 600.000 Euro, und das Bund-Länder-Hilfspaket. Hier gab es 66 Anträge zur Begleichung der diesjährigen Schadenssummen von 20 Millionen Euro. Die Landkreisverwaltung kann hierbei lediglich Stellungsnahmen zu den Ernteverlusten abgeben, hofft aber, das Land und Bund die betroffenen Landwirte finanziell unterstützen und so Existenzen sichern. Doch die Beantragung der Hilfen sei mit extrem hohen Hürden sehr kompliziert, „man habe so etwas noch nie erlebt“, berichtete Uve Gliemann weiter aus der Praxis. Selbst die Offenlegung des Privatvermögens des Ehepartners werde hierzu verlangt. Auf 370 Millionen Euro schätzt man die Verluste der Landwirtschaft durch die Dürre in Brandenburg. Doch diese ist nur ein Kanten, an dem die Landwirte mächtig zu kauen haben. Matthias Schubert, Geschäftsführer der LAWI GmbH erinnerte: „Im Landkreis Elbe-Elster gibt es meist Mischbetriebe und Pflanzen- und Tierproduktion.

Keine Produktionsbesprechung von Olaf Brößgen, Matthias Schubert und Uve Gliemann, aber ein sachlicher Lagebericht über die momentane Situation der Landwirte am Beispiel der Landwirtschaftsunternehmen LAWI GmbH nach Stolzenhain a.d. Röder.

Für sie waren die Felderträge schon schlecht, aber auch die Erlöse für Milch und Fleisch lassen ein existieren gerade so zu. Ein investieren lohne sich nicht. Noch 2014 bekamen die Milchbauern 38 Cent pro verkauften Liter Milch. 2017 waren 32,5 Cent, momentan sind es 34 Cent. Das reiche gerade zum Luftholen. 125 Milchbetriebe in Brandenburg haben in den letzten Jahren aufgegeben, weitere elf kommen 2018 dazu. Für Matthias Schubert läuft auch die gesamte Schweineproduktion im Minus. 1,36 Euro ist der Erlös je Schlachtkilo im Jahr 2018. 1,70 Euro würden benötigt, damit es sich betriebswirtschaftlich rechnet und die sehr hohen Tierwohlstandards eingehalten werden können. „Zusammengerechnet war es für uns als LAWI GmbH Stolzenhain ein sehr schwieriges Jahr“, fasste Matthias Schubert zusammen. „Der Unternehmensverband wird mit 900.000 Euro Schäden rechnen müssen.“ Ein Gegensteuern bei den sandigen Böden mit geringer Bodenwertzahl sei auch für die Zukunft schwierig. Und 2019, so die Prognose, wird nicht einfacher. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski war dankbar für Offenheit der Geschäftsführung. Er versprach aber, wo immer dies machbar ist, mit den zuständigen Ämtern der Kreisverwaltung weiterhin da zu helfen, wo es möglich ist. „Wir wollen keine zusätzlichen Hürden aufbauen sondern ziel- und lösungsorientiert mit den Landwirten zusammenarbeiten. Auch wenn Agrarpolitik nicht von den Landkreisen, sondern immer noch von Berlin und Brüssel aus gesteuert wird.“

© 2018, Landkreis Elbe-Elster